Netzwerk Cultural Heritage

Leitgedanken des Netzwerkes – Grundlegendes

  1. Kulturelles Erbe tritt in unterschiedlichen Formen und Manifestationen auf, wobei die Unterscheidung zwischen materiellen Gegenständen und immateriellen Praktiken bzw. Ideen eine erste grobe Unterscheidung darstellt. Es ist aber gerade das spezifische Zusammenspiel dieser beiden Dimensionen, etwa in „traditionellen” Institutionen, „heiligen” Texten oder „Kulturlandschaften”, das es zu beachten gilt.
  2. Kulturelles Erbe ist etwas Neues; etwas, das seine Bedeutung, Funktion und Wirksamkeit im Hier und Jetzt besitzt bzw. entfaltet. In diesem Sinne ist kulturelles Erbe dezidiert ein Phänomen, das in den Bereich gegenwartsbezogener Geisteswissenschaften und Gesellschaftswissenschaften gehört.
  3. Dieses Neue zeichnet sich allerdings charakteristischerweise dadurch aus, dass es Bezug nimmt auf Altes und Vergangenes, welches entweder imaginiert wird oder tatsächlich existiert (hat) oder, wie in den meisten Fällen, eine Kombination von historischen Gegebenheiten und gegenwartsbezogenen Imaginationen darstellt. In diesem Sinne ist kulturelles Erbe ein Phänomen, das in den Bereich der historisch ausgerichteten Geisteswissenschaften fällt.
  4. In dieser dialektischen Interdependenz von Neu und Alt konstituiert das Phänomen „Kulturerbe” ein Forschungsfeld, das in besonderer Weise dazu geeignet ist, gegenwartsbezogene und historische Wissenschaften zu Kooperationen zu verbinden.
  5. Wenngleich unsere Gegenwart durch eine Hochkonjunktur der Produktion von „Kulturerbe” gekennzeichnet zu sein scheint, so haben doch auch vergangene Gesellschaften sich jeweils in ihren Gegenwarten kulturelles Erbe angeeignet. In dieser Verschränkung „gegenwärtiger Vergangenheit” und „vergangener gegenwärtiger Vergangenheit” verbirgt sich das große Potential interdisziplinärer, auch anwendungsbezogener Forschung.

Die Leitgedanken des Netzwerkes „Cultural Heritage Studies” – Grundlegendes und Thesen.

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